Der Südharz. Bereits im Mittelalter wurden hier Kupfer und andere wertvolle Metalle gefördert. Zunächst im Tagebau, dann durch primitiven Löchern im Boden und später im Tiefbau. Immer tiefer, viele hundert Meter, gruben sich die Bergleute in den Fels. Wegen seines hohen Anteils an wertvollen Metallen wie Mangan oder Silber war der Kupferschiefer ein begehrter Rohstoff. Doch Ende des zwanzigsten Jahrhunderts machten hohe Wasserzutritte und niedrige Rohstoffpreise die Förderung zunehmend schwierig. Als in den 1990er Jahren der letzte Schacht schließt, geht eine jahrhundertealte Bergbautradition zu Ende. Die tiefsten Strecken versinken schnell in den Fluten, nur die älteren bereits ausgebeuteten Bereiche, die näher an der Erdoberfläche liegen, bleiben erhalten. Außer Marienglas - Selenit oder Lapis specularis, wie es die Römer nannten - sind hier keine Rohstoffe mehr zu holen. In der Antike wurden wegen seines funkelnden Glanzes Hippodrome und Amphitheater mit zu Staub zermalenem Marienglas ausgestreut. Als kristalline Form des Gips ist es heute nahezu wertlos...

...wertlos für die, die das Geheimis des südharzer Marienglases nicht kennen. Von der Öffentlichkeit höchstens durch das inzwischen eröffnete Bergbaumuseum wahrgenommener, nutzte ein Konzern für Energiesysteme, Econic Enterprises, die Gunst der Stunde und kaufte die leeren und vermeintlich wertlosen unterirdischen Strecken. Denn das südharzer Marienglas ist nur wertlos für die, die sein Geheimnis nicht kennen. Durch eine Laune der Geologie, wurden das normalerweise im Marienglas vorhandenen Calcium in großen Mengen durch Beryllium ersetzt. Bei den Bergleuten war es gefürchtet, denn durch das hochgiftige Berylliumsulfat sind die wunderschönen Marienglashöhlen für so manchen zum Grab geworden.

Beryllium ist nur ein viertel so schwer wie Calcium und damit leicht genug zur Kernfusion, der nahezu unerschöpflichen Energiequelle der Sonne. Doch um das Sonnenfeuer auf der Erde zu zünden, sind enorme Temperaturen, hunderte von Millionen Grad, notwendig. Nur wenigen ist dies bisher mit enormem Aufwand in riesigen Fusionsreaktoren gelungen. Zur Energieerzeugung taugt keine dieser Anlagen. Doch eine kleine Schar hartnäckiger Wissenschaftler ist dem Geheimnis des Marienglases auf die Spur gekommen. Seine spezielle Kristallstruktur scheint die Reaktion derart zu bescheunigen, dass im Vergleich zu den bisherigen Anlagen mit geradezu primitiven Mitteln Beryllium- und Heliumkerne verschmolzen werden können, und eine enorme Energiemenge entfesselt wird. Ist dies die Energiequelle der Zukunft?

Seit die Wissenschaftler mit Econic Enterprises einen Geldgeber gefunden haben, forschen sie unter strenger Geheimhaltung in den alten Kupferschächten. Auch andere sind auf die Ideen aufmerksam geworden. Die Aussicht auf eine neuartige Energiequelle hat die Aufmerksamkeit des Rüstungskonzerns Devastatix auf sich gezogen. Unerkannt, wurde ein Industriespion in die geheime Forschungseinrichtung eingeschleust, um das militärische Potential der Entdeckung auszuloten. Doch nach vielversprechenden ersten Berichten, wurden die Nachrichten mit der Zeit immer verworrener, bis der Kontakt zu dem Agenten plötzlich ganz abreißt.

An dieser Stelle beginnt das Spiel...